und in 4 Wochen ist Weihnachten...

Neuland im Kreis Kehdingen

Aktueller Gastbeitrag von Ralf Graber vom 8.12.2019

Wir haben Ende November und in vier Wochen ist Weihnachten, wie jedes Jahr. Auch im November 1914 gab es  in Neuland im Kehringer Land am Elbstrom zwischen Stade und Cuxhaven ein Weihnachten, doch diesmal  war es anders als sonst. 

Meßtischblatt 1:25.000 aus dem Jahr 1895 von Neuland, das an an einem Seitenarm der Elbe liegt und seiner Umgebung  mit Wolfsbruch, Wolfsbrucher Moor, Neulander Moor und im Norden Winschhafen mit der Insel Winschhafener Sand bzw. das westlich gelegene Hamelwördener Moor. 

 

Im Jahr 1895 gab es laut Volkzählung im  Wolfsbruchermoor 33 Gebäude mit 169 Einwohner, Wischhafener Sand bestand zu dem oben genannten Zeitpunkt gerade mal aus 12 Gebäude mit 90 Einwohner. Neulandermoor hatte immerhin 637 Einwohner.

 

Die Schiffe für den Transport der vor Ort hergestellten Ziegeln in das nahe gelegene Hamburg  waren im November wie jedes Jahr in den kleinen Häfen der Region sicher für den Winter vertäut,  doch es war seit August Krieg und die Männer noch immer als Soldaten im Feld. Sie wollten doch zu Weihnachten zurück sein! Seit Monaten kamen nur ab und zu ein Brief oder Postkarte an.

 

Da verkündete der Wirt in Neuland, der auch die Postagentur nebenher betrieb, die frohe Botschaft: „Weihnachtspaketwoche“: Vom 23. Bis 30. November können erstmals mit Paketkarte Privatpäckereien ins Feld aufgegeben werden. Bis zu 5 Kilo dürfen sie wiegen, die Verpackung muss fest und dauerhaft sein, widerstandsfähig gegen Nässe. Es gilt ein Einheitstarif von 25 Pfennig.  

 

Das sprach sich in Windeseile in der ländlichen Umgebung herum, überall wurden Pakete gepackt und selbst bei Dunkelheit zur Postagentur  gebracht, wie die Absenderangaben und die Uhrzeit der Abstempelungen auf den Paketkarten verraten. Ob aus Winschafener Sand, Neulandermoor, Hammelwördener Moor oder Wolfsbruch, die Postagentur bekam in diesen Tagen viel zu tun.

 

 

Da wurden selbst uralte Formulare heraus gekramt und verwendet.

Hier das alte große Format, das bis 1904 verwendet wurde.

 

 

Wenn die zu versendenden Gaben einmal schwerer als die erlaubten 5 Kilo wurde, wurde dieser auf zwei Pakete verteilt und getrennt versandt.  So geschehen bei den beiden Paketen an den Gefreiten Horeis aus Neuland, die zusammen am 29. November aufgegeben wurden. Das eine Paket hatte das Höchstgewicht von 5 Kilo, das andere wog  2,5 Kilo. August von Altwörden aus Wolfsbruch kam dagegen zweimal zur Post. Am 25. bzw. 28. November  sandte er an seinen Sohn?  H. von Altwörden zuerst ein Paket mit 2,5 Kilo Gewicht, dann ein weiteres mit 2 Kilo.

 

Der Zusammenhalt vor Ort war offensichtlich sehr groß. So versandte der Gesangsverein von Neuland ebenfalls Liebesgaben an seine Mitglieder. Der Verein wurde vornehmlich von Schiffsleuten als Club Elbe im Jahr 1904 zur Pflege der Geselligkeit gegründet, dem anfangs nur Verheiratete und Selbständige beitreten konnten. Dieser Verein  hatte 1913 ein Jahr vor Kriegsbeginn den im Absendervermerk angegebenen Gesangsverein gegründet. Gut, dass der Wirt auch abends im Schankraum Pakete annahm,  wie die Uhrzeit 7- 8 N  im Poststempel zeigt.

 

Doch am Ende der Paketwoche gingen ihm die 25 Pfennig Marken aus, daher beklebte er am 30. November die letzten Paketkarten mit den noch vorhandenen 5 bzw. 10 Pfennig Marken.

 

Der Gesangsverein liefert am Abend ein.....

 

 

30. November war der Bestand der 25 Pfennig Marken aufgebraucht.

 

Laut Amtsblattverordnung durften auf der Paketadresse  keine Mitteilungen gemacht werden, denn die Formulare blieben bei der aufgebenden Postanstalt. Das war auch gut so, denn dadurch überlebten die oben abgebildeten Paketkarten. Sie wurden nach mehr als 100 Jahren bei Renovierungsarbeiten der alten Gastwirtschaft gefunden.  Mit Germania Marken sind  sie  die einzigen, die mir aus diesem Versuchszeitraum derzeit bekannt sind.

 

Erst am 22. Februar 1915 wurde der Versand von Paketen in und aus dem Feld bis 10 Kilo Gewicht  über die verschiedenen Militärpaketdepots zuerst für die Westfront zugelassen, die anderen Frontabschnitte folgten später im Jahr.

Doch nicht alle Weihnachtspakete scheinen rechtzeitig eingetroffen zu sein, wie die Zeitungen damals berichteten. Mangels Transportkapazitäten mussten am östlichen Kriegsschauplatz die Pakete in der Etappe zwischengelagert werden, denn militärische Transporte hatten Vorrang.

 

 

Ralf Graber, Heppenheim

 

Literatur:

Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) Meßtischblatt 2221

 

Chronik der Gemeinde Wischhafen, Bd. I u. Bd. II, Stade 2001, 2004

 

Amtsblatt des Reichs-Postamts Nr. 113 vom 14. November 1914, S. 449

 

D. Grosse: Die deutsche Feldpost, Berlin 1915

Morasko und Nordheim im Kreis Posen Ost

Aktueller Beitrag vom 10.6.2019

Morasko, war ein kleines  Rittergut in der Provinz Posen das dem Kreis Posen-Ost angehörte. Um die Jahrhundertwende hatte das Gut knapp 300 Einwohner die sich allesamt von der Landwirtschaft ernährten.

 

Postalisch wurde das Gut von der im Nachbarort befindlichen Postagentur Winiary versorgt, erst im Jahre 1908 erhielt Morasko eine eigene Postagentur die mit einem KOS ausgestattet wurde. Ein KOS der aktuell zu den seltensten überhaupt zählt, mir ist in all den Jahren in denen ich die KOS bearbeite nur dieser eine Abschlag vom 1.6.1908 auf Marke unter gekommen. 

 

Warum der Stempel so selten ist erklärt sich zum einen an der Größe und der Einwohnerzahl des Gutes, aber maßgeblich auch daran das bereits am 21.12.1908 eine Umwandlung des Gutsbezirkes Morasko in die Gemeinde Nordheim in Posen erfolgte.

Auch hier führte man, mit der Eröffnung der Postagentur im Jahre 1909, einen KOS ein, dieser lag mir immerhin 2x auf Marke vor und zwar vom 21.9.1913 und 27.2.1914.

 

 

Aber Morasko hat doch noch etwas zu bieten, auch wenn es heute nur ein paar Löcher im Boden sind. Der Meteorit "Morasko" wurde am 12. November 1914 –kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges – in der Nähe der Erhebung des Morasko, der höchsten  Anhöhe in der Woiwodschaft (154 m über dem Meeresspiegel). etwa 10 km nördlich von Posen (heute Poznań in Polen) entdeckt.

 

Beim Ausheben einer Geschützstellung stieß ein deutscher Unteroffizier etwa einen halben Meter unter der Erdoberfläche auf einen Metallklumpen mit einem Gewicht von 77,5 kg. Eine in Berlin analysierte Probe zeigte, dass es sich um meteoritisches Material mit einem Eisengehalt von 92 % handelte. Der Einschlag hat wahrscheinlich vor 5.000 Jahren stattgefunden. Damals raste ein massiver Himmelskörper über das heutige Polen hinweg, verdampfte zum größten Teil und wurde stark abgebremst. Ein ca. 200 t schweres Reststück zerbarst in geringer Höhe über dem Erdboden in einer großen Druckwelle. Die Bruchstücke schlugen dann mit einer Restgeschwindigkeit von 11.000 bis 18.000 km/h auf der Erdoberfläche ein.

 

Zeitungsüberweisung 1924

Aktueller Gastbeitrag vom 31.3.2019

Die Anzahl der Kreisobersegmentstempel, welche nur im Innendienst eingesetzt wurden, ist überschaubar. Umso mehr freut sich der Sammler, wenn er an einen solchen auf seltenem Beleg gelangt und der Stempel noch dazu in 2 verschiedenen Einstellungen auftritt.

 

Zeitungssachen und Zeitungsüberweisungen gehören zu den seltenen Belegarten. Die entsprechenden Arbeitsschritte wurden nur im Innendienst abgearbeitet, die Belege fielen nach einer gewissen Lagerfrist der Vernichtung anheim.

 

Herr Adolf Lämle aus Feuerbach bat am 28.7.1924 um Änderung der Bezugsadresse für das Berliner Tageblatt (so dürfte die Zeitung richtig heißen) nach Schönmünzach ab dem 1.8.1924. Das Postamt Feuerbach sandte das Formular an das zuständige Postzeitungsamt Berlin, welches den Eingang mittels Kreisobersegmentstempel am 29.7.1924 nachmittags dokumentierte.

 

Als Gebühr wurden 50 Rentenpfennig berechnet, wofür eine Mi 342 P verklebt wurde.

Am 12.8.1924 verlangte Herr Lämle auf dem Postamt Schönmünzach die Rücküberweisung des Zeitungsbezuges an seine alte Adresse in Feuerbach, in diesem Falle wurde die Gebühr nicht nochmals berechnet.

 

Das Postzeitungsamt Berlin brachte den Eingangs- und Bearbeitungsstempel vom 15.8.1924 vormittags an.

 

 

Rückseitig sind alle Arbeitsschritte genauestens dokumentiert:

 

 

Das Berliner Tageblatt aus dem Verlag Rudolf Mosse war eine überregionale linksliberale Tageszeitung und die auflagenstärkste Zeitung im Deutschen Kaiserreich- kein Wunder also dass diese auch im fernen Württemberg gelesen wurde.

 

Ich bedanke mich recht herzlich für den erneuten Gastbeitrag bei Michael Grätz, Berlin.

Götzenbrück in Lothringen in Verbindung mit Warschauer Stadtpost

Aktueller Beitrag vom 10.2.2019

Götzenbrück, lothringisch Getzebrikk ist eine Gemeinde im Reichsland Lothringen im Kreis Saargemünd und gehörte dem Kanton Bitsch an. Um die Jahrhundertwende hatte der Ort knapp 800 Bewohner die überwiegend von der Glasindustrie lebten, u.a. durch Herstellung von Kristalluhren und hochwertigen Brillengläsern.

 

Obwohl ein kleiner Ort war das Postwesen recht rege, es begann am 28.10.1870 mit einer Postexpedition II aus der 1871 eine Postexpedition wurde. 1876 wurde selbige in ein Postamt III. Klasse gewandelt, zu dieser Zeit befand sich im Ort selbst 1 Postbriefkasten und ein weiterer im Landbestellbezirk. Bereits 1891 wurde das Postamt III. Klasse in eine einfache Postagentur zurückgestuft.

 

Der KOS GÖTZENBRÜCK (LOTHR.) * * ist derzeit ab dem 28.10.1903 bekannt, das derzeit letzte bekannte Verwendungsdatum ist der 1.8.1920

 

 

Postkarte von Götzenbrück in das besetzte Warschau vom 11.10.1916, die Karte durchlief die Zensurstelle in Posen und wurde in Warschau mit der Stadtpostmarke, Michel Nr.10, frankiert.

 

Die Reichspost stellte im besetzten Warschau die Postsendungen nicht selbst zu, dies übernahm in Warschau nach Absprache mit der Reichspost die Stadtpost.

 

Anfallende Zustellgebühren mussten vom Empfänger beglichen werden. Der Bestelldienst in Warschau wurde am 23.9.1915 um 17 Uhr aufgenommen und erweiterte sich bereits am 21.10.1915 zum regulären Stadtpostdienst.

 

Die Verbindung KOS mit Stadtpost Warschau dürfte so oft nicht vorkommen, ich kenne bis dato keinen weiteren Beleg dieser Art.