Reinsdorf (Mark Brandenburg)

Aktueller Beitrag vom 19.10.2013

Heute ist es wieder einmal so weit, ich darf auf der KOS Page einen Gastbeitrag des Redakteurs der Infla Berichte, des Vereins der Deutschlandsammler e.V. veröffentlichen.

 

Die erste Erwähnung des Kirchdorfes ist nicht eindeutig, es wird sowohl das Jahr 1325 als auch 1368 genannt. Die Siedlungsgeschichte ist sehr bewegt, im Jahre 1538 ist Reinsdorf eine wüste Feldmark, anfang des 18. Jahrhunderts wird das Dorf wieder neu aufgebaut und gehört bis 1702 zum Amt Jüterbog. Danach wird das Dorf von verschiedenen Gutsbesitzern übernommen. 1858 erhalten die von Siemens das Gut, welches heute noch in Teilen erhalten ist.

 

Reinsdorf ist ein Angerdorf, die Dorfstruktur ist geprägt durch den Gutshof mit Parkanlage. Der Dorfanger, mit einer spätgotischen Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert und dem Friedhof, ist weitgehend bebaut, was in den Dörfern des Niederen Flämings eher selten ist. Besonders auffällig ist die Lindenallee, die aus Richtung Wiepersdorf kommend den Dorfeingang kennzeichnet.

 

 

Durch den Bau der Kreiskleinbahn Jüterbog - Luckenwalde, ein 80 km langes Schmalspurnetz zwischen den Orten Jüterbog-Luckenwalde und Dahme, erhielt Reinsdorf im Jahre 1900 eine Haltestation und somit Anschluss an die Aussenwelt.

Auszug aus einer Postleitkarte des Jahres 1920

 

 

Als Sammler von Bogen und Belegen der Rosettenausgabe stolperte ich im Internet auf den nachstehend abgebildeten Brief. Wie meist üblich, sind die Abbildungen solcher Belege nicht für eine detaillierte Darstellung ausreichend, aber mir kam es schließlich primär auf die Frankatur an.

 

Eine Übergangsfrankatur mit Inflations- und Rentenpfennigmarken und 150 Marken der Wertstufe 1 Milliarde in durchstochener Form dürfte wohl einmalig sein.

Als ich schließlich das Teil in Händen hielt, stellte ich mit großer Freude fest, dass dieser Brief am 2.12.1923, einem Sonntag, abgestempelt war und des weiteren einen KOS-Stempel von REINSDORF (MARK) ans Tageslicht brachte.

 

Nach den bisherigen Unterlagen handelt es sich hierbei um ein neues Letztverwendungsdatum dieses Stempels. Leider sind die Stempel nicht sonderlich gut abgeschlagen, aber deren Vielzahl lässt eine Rekonstruktion doch gut zu. Insofern macht ein derartiger Beleg mehr als nur doppelte Freude.

 

Die Postagentur in Reinsdorf wurde im Jahre 1877 eröffnet, der KOS ist derzeit bekannt vom 16.5.1887 bis zum besagten Datum des Beleges, dem 2.12.1923

 

Harald Mürmann, Krefeld

Uciechow im Bezirk Posen

Aktueller Beitrag vom 19.7.2013

Uciechow (Uciechowo) ein kleines Dorf mit knapp 900 Einwohnern (stand 1895) das in der Provinz Posen lag und dem Kreis Adelnau angehörte.
Postalisch wurde das Dorf von der Postagentur in Sulmirzyce (ab 1908 Sulmirschütz) versorgt, bis der Ort dann im Jahre 1900 eine eigene Postagentur erhielt. 

Der Kreis Adelnau bestand seit 1815, wurde 1919 aufgelöst nachdem die Orte an Polen gingen. Gut  10 % der Bevölkerung des Kreises waren deutscher Abstammung, sie verließen zum Großteil 1920 das Gebiet. 

Feldpostkarte von Uciechow nach Gotha vom 14.11.1914

UCIECHOW (BZ. POSEN) * ?

 

Es zeigt wieder, selbst nach vielen Jahren KOS Forschung und intensiver Registraturarbeiten, es kommt immer wieder einmal etwas Neues, so wie dieser Stempel der bis dato nicht bekannt war.

Kirchardt Amt Sinsheim

Aktueller Beitrag vom 16.6.2013

das ländliche badische Dörfchen Kirchardt gehörte um die Jahrhundertwende dem Amt Sinsheim das zum Kreis Heidelberg gehörte an. Der Ort zählte im Jahre 1895 ganze 1150 Einwohner welche sich durchweg von der Landwirtschaft ernährten. 

Die Entwicklung machte aber auch vor dem Dorf nicht halt, es wurde im Jahre 1868 die Bahnlinie Heidelberg-Heilbronn erbaut, der Nachbarort Grombach erhielt eine Haltestation die auch von den Kirchardter'n genutzt wurde. Die Straße nach Grombach wurde daraufhin im Jahre 1876, für damalige Verhältnisse, verkehrsangemessen ausgebaut.

Im Jahre 1885 zog die erste und auch bis in die 20er Jahre einzige Industrie nach Kirchardt, es siedelten sich nach und nach 7 Zigarrenfabriken im Dorf an, wo um 1900 fast 200 Einwohner ihr Einkommen hatten. 

Ansichtskarte von Kirchardt die neben der Totalansicht des Dorfes,

links unten auch das 1880 neu erbaute Schulhaus zeigt.

Entwertung der Postkarte mit dem KOS KIRCHARDT (AMT SINSHEIM) * *

Postalisch wurde das Dorf  vom Postamt Sinsheim versorgt, im Jahre 1872 erhielt das Dorf seine eigene Postagentur welche mit einem Einkreisstempel KIRCHARDT * * ausgestattet wurde.

 

Der KOS aus Kirchardt ist mir derzeit ab dem 13.10.1913 bekannt, das letzte derzeit bekannte Verwendungsdatum datiert vom 11.7.1933

Ebenfalls auf der Ansichtskarte zu finden,

die Abb. des Gemischtwarengeschäftes mit Postagentur von August Rott

Einlieferungsschein für einen Einschreibebrief von Kirchardt nach Steinsfurt vom 22.10.1931 ein recht spät verwendeter KOS

Bingen in Hohenzollern

Aktueller Beitrag vom 5.5.2013

das kleine Bauerndorf Bingen in Hohenzollern liegt Nord-östlich von Sigmaringen am Flüsschen Lauchert, eingebettet zwischen dem Südrand der schwäbischen Alb und dem Donautal und gehörte zum Regierungsbezirk Sigmaringen.

 

Das Dorf mit seinen gerade einmal 750 Einwohnern (stand 1895) hatte weder große Industrie noch sonstige Fabriken vorzuweisen, es ist einfach ein idyllisches Dorf das überwiegend von der Landwirtschaft und dem Holzbau lebte. 

 

Hohenzollern war bis 1849 ein selbstständiges Fürstentum, wurde 1850 dem Staat Preußen angeschlossen und war bis ins Jahr 1945 Preußische Enklave eingeschlossen von Baden und Württemberg.

"Grün" zeigt die Fläche der preußischen Enklave Hohenzollern und die größeren Orte, die von Baden und Württemberg eingeschlossen sind.

 

Eine eigene Postagentur erhielt Bingen bereits im Jahre 1872, diese wurde aber, aus nicht zu ermittelnden Gründen,

bereits im Jahre 1880 wieder geschlossen.

 

Die neuerliche Eröffnung einer Postagentur erfolgte im Jahre 1886 aus diesem Jahre stammt auch der derzeit früheste bekannte Stempelabschlag des KOS.

 

 BINGEN (HOHENZOLLERN) * * vom 2.11.1886

Das derzeit späteste Verwendungsdatum dieses KOS findet sich auf der unten gezeigte Sonderpostkarte (Michelnummer P 248)  zur Eröffnung des Reichstages in Potsdam, diese Sonderkarte erschien am 12.4.1933 und war lediglich bis zum 31.12.1935 gültig.


Sonderganzsachen mit Zusatzleistungen, wie hier per Einschreiben, sind keine Massenware und recht selten anzutreffen. Diese dann noch mit KOS zu finden, viel Erfolg beim suchen.

Postkarte per Einschreiben von Bingen nach Leipzig vom 29.5.1933
Absender war die Drechslerei Anton Hepp.

Portoperiode seit dem 15.1.1932:
Postkarte im Fernverkehr 6 Pfennig, Einschreibegebühr 30 Pfennig.

Herrenwyk im Lübeckschen

Aktueller Beitrag vom 24.3.2013

ein kleiner Stadtteil (im Jahre 1901 ganze 35 Einwohner) der Hansestadt Lübeck, direkt an der Trave gelegen. Um die Jahrhundertwende entwickelte sich der Stadtteil, bedingt durch die Ansiedlung von Industrie rasant.

 

Fischindustrie, das Hochofenwerk und etwas später auch die Flender Werft prägten den Ortsteil zunehmend, es wurden Wohngebäude für die Arbeiter errichtet und da nicht jede Wohnung über ein eigenes Bad verfügte, baute man ein Badehaus das von den Bewohnern Herrenwyks genutzt wurde.

Den Hauptschub gab die Gründung des Hochofenwerkes dessen Grundstein am 7. November 1905 gelegt wurde und bereits im August 1907 in Betrieb ging.

Postkarte von Herrenwyk nach Tönning an der Eider aus dem Jahre 1916, Absender war das Hochofenwerk aus Lübeck-Herrenwyk.

 

Postalisch wurde der Flecken Herrenwyk seit dem Jahre 1891 von der Postagentur Waldhusen mit versorgt. Mit der Inbetriebnahme des Hochofenwerks im Jahre 1907 erhielt der Ort dann eine eigene Postagentur.

 

Der KOS HERRENWYK i. LÜBECKSCHEN * * ist seit dem Jahre 1910 registriert, das späteste derzeit bekannte Verwendungsdatum ist der 7.11.1923 

Paketkarte aus der Hochinflationszeit für ein Paket mit 3,5 kg von Herrenwyk nach Heidelberg, an den dortigen Oberbürgermeister Walz vom 8.10.1923, frankiert werden mussten 14 Millionen Mark!

 

Diese Portoperiode galt vom 1.10.1923 bis zum 9.10.1923

Paket mit 3-5 kg

II. Zone über 75 km bis 375 km

Reinickendorf Ost

Aktueller Beitrag vom 10.2.2013

Reinickendorf lag in der Provinz Brandenburg, wurde vom Regierungsbezirk Potsdam verwaltet und gehörte dem Kreis Niederbarnim an. Einst ein Bauerndorf welches aus gerade einmal 13 kleinen Höfen bestand.

Das Dorf hatte im Jahre 1870 ganze 800 Einwohner die überwiegend in der Landwirtschaft tätig waren, daneben gab es noch Milchereien und eine Dachpappefabrik. Die Bauern in dem Dorf hatten mit sandigen und sumpfigen Böden zu tun und an Reichtum war nicht zu denken. 

 

Als in Berlin der Platz für Industrieanlagen knapp wurde, entstand nördlich der Dorfaue im Jahre 1895 ein Industrieviertel und der Aufschwung in Reinickendorf begann.

 

Aus dem Dorf wurde eine Stadt, deren Einwohnerzahl explosionsartig zunahm. Im Jahre 1876 = 5000, 1893 = 15.000 und im Jahre 1904 waren es bereits 20.000 Einwohner.

 

Der Ort war zum einen per Pferdebahn mit Berlin verbunden, aber auch die Eisenbahnstation der Linie Berlin-Stralsund sorgte für den Anschluss an die große Stadt.

Gruss aus Reinickendorf aus dem Jahre 1900

 

Im Jahre 1876 erhielt das Dorf seine erste Postagentur, diese wurde bereits 1885 in ein Postamt III. Klasse gewandelt und im Jahre 1901 in ein Postamt II. Klasse. Das Postamt I. Klasse wurde im Jahre 1907 in Reinickendorf eröffnet. Im Jahre 1912 erfolgte die Ortsnamensänderung in Berlin-Reinickendorf Ost.

Vom Hauptpostamt Reinickendorf gibt es 2 KOS, einmal mit * * der vom 24.2.1900 bis 10.9.1908 bekannt ist und der spätere mit * a welcher derzeit vom 17.11.1900 bis 30.8.1905 registriert ist.

Die Rückseite der Ansichtskarte ist entwertet mit dem KOS REINICKENDORF (OST) * * und datiert vom 24.2.1900, dem derzeit frühest bekanntem Datum des Berliner Vorortstempels (KBHW V149).