Liocourt in Lothringen

Aktueller Beitrag vom 23.6.2020

Liocourt, ein sehr kleines Dorf im Bezirk Lothringen, 25 km entfernt von Metz, gehörte dem Kreis Château-Salins an. Um die Jahrhundertwende

hatte das Dorf ganze 210 Einwohner, heute hat das Dorf gerade noch 136

Bewohner.

 

Auszug aus einer Postleitkarte aus dem Jahre 1907

 

Die erste Postagentur im Ort wurde am 1.5.1888 eröffnet, sie wurde mit einem Einkreisstempel ausgestattet.

 

Der nachfolgende KOS

 

LIOCOURT (LOHTR.) * *

 

ist derzeit ab dem 30.12.1903 bekannt, das derzeit letzte registrierte Verwendungsdatum ist der 22.10.1915.

 

Die SPAL (französische Arbeitsgemeinschaft für Elsass-Lothringen) bewertet im Handbuch der Elsass-Lothringenstempel den KOS mit ihrer 2. Höchsten Stufe „E“= sehr selten!

 

 

Ende 1915 wurde der Ort in Linhofen umbenannt, die Postagentur wurde 1917 geschlossen.

 

Die eingleisige Eisenbahnstrecke Metz–Château-Salins wurde 1904 gebaut und in Betrieb genommen, Liocourt erhielt hier auch eine Haltestelle. Die Strecke verlief mehr oder weniger parallel zur Deutsch-Französischen Grenze.

Nach den beiden verlorenen Weltkriegen wechselte die Strecke jeweils an die Französische Ostbahn.

 

Dossenheim an der badischen Bergstrasse

Aktueller Beitrag vom 13.4.2020

Dossenheim, ein Ort an der badischen Bergstrasse, vor den Toren von Heidelberg gelegen hatte um die Jahrhundertwende bereits 2200 Einwohner, diese Zahl wuchs im laufe der Jahre an und so zählte man im Jahre 1928 fast doppelt so viele, es waren 3839.

 

Die Erwerbsquellen der Bewohner war neben der Landwirtschaft der Abbau von Porphyr der in staatlichen und privaten Porphyrsteinbrüchen in Dossenheim erfolgte. Der größte war der seit 1883 bestehende Steinbruch Leferenz der maßgeblich für Arbeitsplätze sorgte. Die Gebrüder Leferenz waren Unternehmer aus Heidelberg, deren Firmen in den Bereichen Tiefbau und schienengebundener Verkehr engagiert waren.

 

Dossenheim war ab 1860 Landpostort von Heidelberg ehe der Ort  im Jahre 1881 eine eigene Postagentur erhielt. Ausgestattet wurde die Postagentur zuerst mit einem Stempel der Zwischentype, nach Michel Gruppe IV, der aktuell vom 18.10.1884 bis zum 31.12.1888 bekannt ist.

 

Auf ihn folgte der erste von 2 bekannten KOS deren Unterschiede ich hier aufzeigen will.

 

 

KOS Dossenheim Typ I:

 

kleines Segment

 

große Schrift

 

Ø 26mm 

 

derzeit bekannt vom 4.8.1898 bis 24.6.1915

 

KOS Dossenheim Typ II:

 

großes Segment

 

kleinere Schrift

 

Ø 28mm

 

derzeit bekannt ab 6.2.1920 bis 10.8.1937

 

Belege sammele ich schon seit mehr als 35 Jahren, egal ob mit KOS oder in meiner Portostufensammlung Deutsches Reich 1875-1900, der nun gezeigte dürfte die mit Abstand seltenste Destination sein die mir bisher in die Finger kam und dann auch noch mit KOS

 

DOSSENHEIM (BADEN) * * Typ II vom 1.8.1924

 

 

Adressiert ist der Brief an den Ingenieur Philipp Hilsheimer (Betriebsleiter der Firma Leferenz)  bei der afghanischen Regierung in Kabul.

Frankiert mit 30 Pfennig Weltpostvereinsporto, was aber in Afghanistan keine Gültigkeit hatte, Afghanistan trat dem Weltpostverein erst zum 1.4.1928 bei.

 

 

Die Afghanischen Marken wurden in Peshāwar angebracht dort aber nicht entwertet. Der englischsprachige Peshāwar Stempel dürfte der Stempel des Austauschpostamtes sein. In Kabul wurden die Marken mit dem Ovalen Nachportostempel von Kabul entwertet, dazu noch unter der runde Poststempel von Kabul. Die Briefmarken selbst sind die 10 pouls in rot und 30 pouls in gelb-grün, normale Afghanische Dauerserien.

 

Das der Betriebsleiter von Leferenz in Afghanistan weilte könnte mit der ersten Bahnstrecke des Landes die in den 1920er-Jahren erbaut wurde zusammen hängen.

 

Die acht Kilometer lange Schmalspurstrecke mit einer Spurweite von 762 mm wurde im Zuge der Reformen des Königs Amanullah Khan erbaut und führte von der Hauptstadt Kabul zum Darul-Aman-Palast, der als Sitz des Parlamentes vorgesehen war. Nach dem Sturz von König Amanullah Khan 1929 verfiel die Bahnanlage wieder. 

Kneuttingen-Hütte in Lothringen

Aktueller Beitrag vom 29.2.2020

Kneuttingen war eine kleine Gemeinde im Reichsland Elsass Lothringen, im Bezirk Lothringen im Kreis Diedenhofen an der Fentsch gelegen. Der Ort hatte um die Jahrhundertwende knapp 1200 Einwohner was sicherlich mit dem seit dem Jahre 1895 in Betrieb befindlichen Hüttenwerk für Erzabbau und der Stahlindustrie Hütte Aumetz Friede zusammen hing. 

 

 

Die erste Postagentur in Kneuttingen wurde 1893 eingerichtet und 1899 wurde daraus bereits ein Postamt III. Klasse. 1914 wurde dies dann in ein Postamt II. Klasse gewandelt das bis zum ende des 1. Weltkrieges bestand hatte.

 

 

Ansichtskarte mit Panoramaansicht von Kneuttingen, zu sehen neben dem Eisenwerk der Ort selbst  wie auch die Arbeitersiedlung und das Wahrzeichen von Kneuttingen, die 260 Meter lange Eisenbahnbrücke über das Fenschtal, das Viaduc de Knutange der Bahnlinie Lille-Thionville.

 

Das Hüttenwerk erhielt am 1.1.1904 eine eigene Postagentur die mit einem KOS KNEUTTINGEN-HÜTTE (LOTHR.) * * ausgestattet wurde. Dieser ist derzeit vom 6.8.1904 bis zum 14.8.1908 bekannt, ein recht seltener Stempel was ich nicht alleine so sehe, denn auch die französische Arbeitsgemeinschaft für Stempel aus dem Elsass und Lothringen, die SPAL bewertet diesen Stempel mit D was selten-Rare bedeutet.

 


 

Der Folgestempel, ein Kreisbrückenstempel mit Segment unten ist der SPAL ab dem 24.7.1909 bekannt, hier mit neuem Frühdatum vom 19.7.1909 auf Postkarte des Hüttenvereins Aumetz-Friede nach Namur in Belgien via Luxemburg.

 

 

Dem Hüttenwerk Aumetz-Friede wurde eine rosige Zukunft vorhergesagt, so schreibt Artur Norden 1912 im Praktischen Handbuch für Kapitalanlagen, in dem es um den Vergleich der Hüttenwerke Oberschlesien, Rheinland und Südwestdeutschland geht......

 

aber es bieten sich doch den Werken im Südwesten Deutschlands nicht ganz so unbequeme Verbindungen mit dem Meere, insbesondere mit den beiden großen Metropolen des Überseehandels, Antwerpen und Rotterdam, die einen für das einzelne Werk oft außerordentlich beträchtlichen Abfluß der Produktion auf den großen Weltmarkt gestatten. Nehmen doch bei Aumetz-Friede allein zwei Drittel der gesamten Erzeugung den Weg ins Ausland. Dabei wird sich die Position dieser Südwestdeutschen Werke in Zukunft noch insofern wesentlich verbessern, als über die projektierte Kanalisierung von Mosel und Saar heute noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, eine solche aber die Vormachtstellung der Südwestdeutschen Eisen= und Stahlindustrie der rheinisch-westfälischen gegenüber noch weit mehr kräftigen muß. Der Südwestdeutschen Eisen= und Stahlindustrie gehört also unstreitig die Zukunft ......

 

Eichhorst- Hubertusstock

Aktueller Beitrag vom 4.1.2020

Ein sogenannter "Handschreiben Umschlag" mit KOS Entwertung, es darf auch einmal etwas selteneres sein.

 

Die Postbeamten waren gehalten die portofreien "Handschreiben" der regierenden Herrscher vor dem Versand zumindest in ein sauberes Blatt Papier einzuschlagen, um es vor einer Beschmutzung beim Transport zu schützen. Zu diesem Zweck wurden wegen des hohen Bedarfs sogar Umschläge gedruckt, diese zu sammeln ergibt eine eigene Sammlung.

 

Aktuell wird eine solche Sammlung am 11. Januar 2020 auf der 195. Rauhut & Kruschel Auktion in 46 Einzellosen versteigert. Ausruf je Umschlag zwischen 400 € und 500 € plus Aufgeld!

 

Auch Auguste Viktoria, die Deutsche Kaiserin und Königin von Preußen, hatte extra für ihre Handschreiben solche Umschläge gedruckt bekommen. Hier ein Umschlag mit Handschreiben vom Jagdschloß Hubertusstock ins Neue Palais, einem Schloß an der Westseite des Parks Sanssouci in Potsdam, dort war von 1888 bis 1918 der Hauptwohnsitz der Kaiserfamilie.

 

 

Das Jagdschloß Hubertusstock war die offizielle Jagdresidenz des deutschen Staatsoberhauptes in der Zeit des Deutschen Kaiserreichs und der Weimarer Republik. Wegen seiner repräsentativen Aufgaben bürgerte sich der Begriff Jagdschloß Hubertusstock ein wie man auch auf der Postkarte aus dem Jahre 1921 sehen kann.

 

 

Das Jagdhaus, das sich am Werbellinsee am Rand der Schorfheide, einer Landschaft im Land Brandenburg, befindet, wurde von 1847 bis 1849 im Auftrag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. im bayerischen oder auch im Schweizer Landhausstil zu Ehren seiner Frau, einer Tochter des Königs Maximilian I. von Bayern, erbaut. Ab 1869 wurden regelmäßig hochrangige Gäste eingeladen um mit ihnen Jagden zu veranstalten. 

 

Auszug aus einer Postleitkarte aus dem Jahre 1900, man kann wunderbar sehen welch ein großes Jagdgebiet nördlich von Eichhorst-Hubertusstock lag.

 

Fanden keine Jagden statt konnte  das Gelände von Interessierten Besuchern gegen einen Eintrittspreis von 25 Pfennig besichtigt werden. Zusammen mit dem Wirtschaftsgebäude und den umliegenden Wäldern gehörte das Jagdhaus zu den Preußischen Staatsforsten. Bis zum Sturz der Monarchie 1918 befand sich das Jagdhaus im Besitz der preußischen Herrscherfamilie der Hohenzollern. 

 

Die Postagentur Eichhorst-Hubertusstock wurde laut Unterlagen 1894 eröffnet, der mir derzeit früheste bekannte Abschlag datiert allerdings erst vom 9.10.1895 und ist oben auf dem Handschreibenumschlag zu sehen. Das derzeit letze bekannte Verwendungsdatum des Stempels ist der 4.7.1925, abgelöst wurde der KOS von einem Kreisbrückenstempel.